Zusammenstöße im Kosovo

Foto: Zveki/AP/dapd

Im Zuge der Auflösung einer Straßensperre kam es am Montag zu gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Serben und der internationalen Schutztruppe Kfor. Dabei wurden insgesamt 50 Personen verletzt, darunter acht österreichische Soldaten.

Pristina - Der Zwischenfall ereignete sich gegen 17.20 Uhr, als Kfor-Truppen eine Straßensperre in Zubin Potok räumen wollten, die von ortsansässigen Serben errichtet wurde. Laut einem Kfor-Sprecher wurde die aus deutschen und österreichischen Soldaten bestehende Schutztruppe mit Molotowcocktails angegriffen. Daraufhin setzten die Soldaten Wasserwerfer ein und feuerten Warnschüsse in die Luft. Auch am Abend blieb die Lage angespannt. Zwei serbische Zelte wurden in Brand gesetzt. Bei den Zusammenstößen wurden insgesamt 50 Personen verletzt: 30 Serben durch Tränengas und Gummigeschoße, acht österreichische Soldaten und 17 deutsche Soldaten. Ein österreichischer Soldat liegt mittlerweile im künstlichen Tiefschlaf.

Auslöser der Krawalle ist der Streit um die Kontrolle zweier Grenzübergänge nach Serbien. Ethnische Serben blockieren seit Mitte September die wichtigsten Verkehrswege, um gegen die Präsenz kosovarischer Zöllner an den Grenzübergängen im Nordkosovo zu protestieren. Laut ungesicherten Medienberichten gibt es im Nordkosovo noch weitere 18 Barrikaden, die von ansässigen Serben rund um die Uhr überwacht werden.

Bewegungsfreiheit durch Gewalt?

Kritik am Einsatz der Kfor-Truppe äußerte Krstimir Pantic, Bürgermeister vom Nordteil von Mitrovica. Er prangerte gegenüber serbischen Medien den „übermäßigen Gewalteinsatz“ gegen serbische Demonstranten an. Kfor-Sprecher Uwe Nowitzki wies diese Vorwürfe zurück. Die Operation hielt sich mit dem Kfor-Mandat im Einklang und zielte auf die Bewegungsfreiheit und Sicherheit im Kosovo-Gebiet ab. Die Kfor-Soldaten hätten erst reagiert, nachdem sie von Seiten der Serben beschossen wurden. Der serbische Kosovo-Minister Goran Bogdanovic warnte indes vor „einseitigen Aktionen“ der Kfor, und dass sich die Konfrontationen auf andere Barrikaden ausweiten könnten.

Die ortsansässige serbische Bevölkerung lässt jedenfalls spüren: man will sich der Autorität der umstrittenen Kosovo-Republik nicht beugen. Zudem ist man enttäuscht über die unzureichenden Handlungen der serbischen Regierung. Vermutlich aus Trotz beantragten in jüngster Vergangenheit über 50.000 Kosovo-Serben die russische Staatsbürgerschaft. Im Osten zeigte man sich ob dieser Geste gerührt, Belgrad selbst hält die Bemühungen der Kosovo-Serben für „schädlich“. Im Kosovo leben zur Zeit schätzungsweise 130.000 Serben, davon die Hälfte im Nordkosovo.


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24/06/2017