Pakistan: Raue Töne nach NATO-Angriff

Foto: RIA Novosti/ Evgeni Pakhomow

Am Samstag kamen bei einem NATO-Angriff auf zwei pakistanische Militärbasen 24 Soldaten ums Leben. Die NATO entschuldigte sich, wollte aber nicht die alleinige Schuld für die Aktion übernehmen. Pakistan blockierte daraufhin einen wichtigen NATO-Nachschubsweg.

Islamabad - Wie es zu dem Angriff auf die beiden Militärbasen in der Nähe des Dorfes Salala kam, ist weiterhin unklar. Pakistanische Quellen berichteten, dass NATO-Hubschrauber und Kampfjets am Samstag gegen zwei Uhr nachts willkürlich das Feuer auf die beiden Kontrollposten eröffnet hatten. Die meisten pakistanischen Soldaten hätten geschlafen und hätten auch keinerlei Gelegenheit zur Provokation gehabt. Dem gegenüber stehen Darstellungen der afghanischen Armee: diese behauptet, internationale Truppen wären zuerst von Pakistanis beschossen worden und hätten daraufhin Luftunterstützung angefordert.

Pakistans Militärsprecher Athar Abbas wies die Behauptungen aus Kabul zurück. Für Abbas war die blutige Attacke auf die eigenen Landsleute kein Missverständnis von internationalen Truppen: „Zu sagen, das sei keine vorsätzliche Handlung gewesen, heißt, die Tatsachen zu verdrehen.“ so Abbas. Angeblich wären NATO-Vertreter in Pakistan unmittelbar nach Beginn der Attacke informiert worden. Trotz der Bitte, das Feuer einzustellen, hätte der Beschuss noch weitere eineinhalb Stunden angehalten. Abbas betonte, dass der Angriff „schwerwiegende Folgen auf das Niveau und das Ausmaß der Zusammenarbeit“ haben könnte. Die pakistanische Regierung verkündigte nach einer Krisensitzung, man werde die diplomatische, militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen auf den Prüfstand stellen.

Forderung an US-Armee

Die Worte der Regierung blieben keine leere Drohung. Noch Samstag Nacht schloss Pakistan die beiden Grenzübergänge Torkham und Chaman und blockierte somit einen wichtigen Nachschubsweg der NATO nach Afghanistan. Über 50 Prozent des NATO-Nachschubs durchquert Pakistan. Des Weiteren forderte Pakistan die US-Armee dazu auf, deren Stützpunkt Shamsi im Westen des Landes binnen 15 Tagen zu räumen. Von jenem Stützpunkt soll die CIA auch Drohnen starten. Bei der NATO – und insbesondere in den USA – bemüht man sich um Schadensbegrenzung: Das NATO-Kommando sprach von einer Fehleinschätzung, ISAF-Oberbefehlshaber Allen kündigte eine Untersuchung an. US-Außenministerin Hillary Clinton übermittelte den Angehörigen der Toten „ihr tiefstes Beileid“.

Es war nicht der erste Fehltritt, den sich NATO-Truppen in Afghanistan geleistet hatten. Erst im Herbst 2010 hatten die USA zwei pakistanische Grenzsoldaten getötet. Laut Militärsprecher Abbas hätte die NATO in den vergangenen drei Jahren mindestens siebenmal auf pakistanische Posten gefeuert. Dabei wurden 72 Soldaten getötet und weitere 250 verletzt.


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17/08/2017