Burma: Aung San Suu Kyi kandidiert bei Nachwahl

Foto: dapd

Ein Jahr nach Aufhebung ihres Hausarrests kündigte die Friedensnobelpreisträgerin ein Antreten an. Präsident Thein Sein ist erfreut über die Kandidatur seiner ehemaligen „Gefangenen“. Suu Kyi warnt davor, das Regime durch die „rosa Brille“ zu betrachten.

Rangun. Nach 20 Jahren ist Aung San Suu Kyi wieder bei einer Wahl dabei. Ihre Partei, die Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte am Montag (21.11.) angekündigt, sich für die Nachwahl registrieren zu lassen. 48 Parlamentssitze sind bei diesem Urnengang zu vergeben. Präsident Thein Sein hatte sich erfreut darüber gezeigt, dass Suu Kyi bei den Nachwahlen kandidieren werde. Er selbst hatte damals noch ihre Entlassung aus dem Hausarrest verweigert. Seine positive Haltung Suu Kyis gegenüber wäre ein möglicher Versuch, Burma schrittweise aus der Isolation zu führen. 2014 wird der Staat den Vorsitz der Asean-Gruppe übernehmen.

Aung San Suu Kyi bezeichnete in einem Telefonat mit dem US-Außenministerium Präsident Thein Sein als einen „Mann guten Willens“. In der Vergangenheit hatte sie allerdings davor gewarnt, das Regime durch eine „rosa Brille“ zu sehen: Burma habe zwar nach 50 Jahren nun wieder eine zivile Regierung, allerdings wären nahezu alle Mitglieder der ehemaligen Militärjunta in Regierung und Parlament vertreten. Seit der Präsidentschaft von Thein Sein wären 300 politische Gefangene freigelassen worden, eine weitere Amnestie für 300 politische Häftlinge wurde bis jetzt erwartet, aber noch nicht umgesetzt. Die NLD hatte zusätzlich eine Liste mit 591 politischen Häftlingen angefertigt, die freigelassen werden sollen. Laut Oppositionskreisen könnte Aung San Suu Kyi ihre Kandidatur noch einmal überdenken, sollten die Gefangenen nicht freikommen.

Langsame Entwicklung

Von Rechts wegen hatte Suu Kyi bereits 1990 ein Regierungsrecht in Burma. Doch ihr Sieg bei den Parlamentswahlen wurde vom burmesischen Militär nicht anerkannt. Zwischen 1989 und 2010 wurde sie für insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest gestellt. Für ihren gewaltlosen Kampf für Demokratie wurde sie 1991 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seitdem galt sie als Symbol des gewaltlosen Widerstands, ihre ungerechtfertigte Haft inspirierte weit über die Grenzen von Asien hinweg. Das Jahr 2010 ließ schließlich zarte Pflänzchen des politischen Wandels im asiatischen Vielvölkerstaat sprießen: Nach 20 Jahren wurden wieder freie Wahlen abgehalten – allerdings ohne Teilnahme inhaftierter Parteimitglieder. Die inhaftierte Suu Kyi und ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) riefen daraufhin zum Boykott auf – und wurden prompt von der Militärjunta verboten. Am 13. November 2010, eine Woche nach Abhaltung der Parlamentswahl, wurde Aung San Suu Kyi aus ihrem Hausarrest entlassen.


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24/06/2017